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Die Analyse qualitativer Daten entwickelt sich durch methodologische Überlegungen und neue technische Möglichkeiten kontinuierlich weiter. Insbesondere Large Language Models (LLMs; generative KI) eröffnen neue Möglichkeiten, einzelne Analyseschritte zu unterstützen oder zu automatisieren und qualitative Analysen auf grössere Datenbestände auszuweiten. Damit stellen sich neue methodische und methodologische Fragen, etwa zur Qualität und Skalierbarkeit von Analysen, zur Transformation qualitativer Daten und zur Rolle menschlicher Interpretation.
Die Forschungswerkstatt QUIMLA greift diese Entwicklungen auf und verbindet drei Schwerpunkte: qualitative Inhaltsanalyse, Mixed Methods und LLM-gestützte Datenanalyse. Im Zentrum steht die gemeinsame Auseinandersetzung mit methodischen, methodologischen und praktischen Fragen anhand konkreter Forschungsprojekte und methodischer Entwicklungen.
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Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse (u.a. Kuckartz & Rädiker, 2024; Mayring, 2022; Schreier, 2012) ermöglichen es, qualitative Daten systematisch und regelgeleitet zu analysieren. Ihre Besonderheit liegt unter anderem darin, dass sich Kodierungen in quantitative Daten transformieren und mit statistischen Verfahren weiter auswerten lassen. Dadurch können qualitative Analysen um quantitative Perspektiven erweitert werden, beispielsweise zur Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Kategorien oder Typen von Fällen.
Zugleich bietet die qualitative Inhaltsanalyse aufgrund der Analyse manifester Inhalte auf der Textoberfläche einen geeigneten Ausgangspunkt für den Einsatz von LLMs. Damit stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen LLMs welche Analyseschritte unterstützen oder sogar übernehmen können und wie sich deren Qualität methodisch prüfen lässt.
Eine zentrale Verbindung zwischen qualitativer Inhaltsanalyse und Mixed Methods besteht in der Transformation qualitativer Daten in quantitative Daten (Quantifizierung). In sogenannten Conversion-Mixed-Methods-Designs (Tashakkori et al., 2021) werden beispielsweise qualitative Kodierungen quantifiziert, mit statistischen Methoden analysiert und die Ergebnisse anschliessend wieder mit qualitativen Interpretationen und dem ursprünglichen Datenmaterial in Beziehung gesetzt. Auf diese Weise können unterschiedliche Analyseperspektiven miteinander verbunden werden (Galle & Iten, in press).
Solche Datentransformationen werfen grundlegende methodische und methodologische Fragen auf: Welche Informationen bleiben bei der Quantifizierung erhalten, welche gehen verloren? Welche neuen Erkenntnisse können statistische Analysen qualitativer Daten ermöglichen? Und wie lassen sich qualitative und quantitative Ergebnisse sinnvoll integrieren?
Mit dem Einsatz von LLMs gewinnen diese Fragen zusätzlich an Bedeutung, denn auch LLMs quantifizieren Textdaten und verarbeiten diese mit statistischen Methoden.
Large Language Models können heute textbezogene Aufgaben mit einer Qualität und Geschwindigkeit bearbeiten, die sie für einzelne Schritte der qualitativen Datenanalyse interessant machen. Sie können Texte strukturieren, zusammenfassen, vergleichen, kategorisieren und kodieren und damit möglicherweise Tätigkeiten unterstützen oder sogar übernehmen, die bislang von Forschenden ausgeführt wurden.
Die technische Funktionsweise von LLMs beruht auf der Transformation textuellen Informationen: Texte werden in numerische Repräsentationen überführt, mathematisch und probabilistisch verarbeitet und die Ergebnisse wieder als Text ausgegeben. Hier lassen sich zum Beispiel die Frage zum Verhältnis zwischen sprachlicher Bedeutung, numerischer Repräsentation und maschineller sowie menschlicher Interpretation diskutieren.
Der Einsatz von LLMs eröffnet zudem Möglichkeiten, qualitative Analysen auf grössere Datenbestände auszuweiten. Damit stellen sich Fragen nach der methodischen Qualität, Validität und Nachvollziehbarkeit solcher Analysen von grossen qualitativen Datensätzen. Grundlegender ist die Frage, inwiefern sich durch LLMs nicht nur einzelne Analyseschritte, sondern auch qualitative Forschungsprozesse und Formen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns verändern.
Die Forschungswerkstatt QUIMLA bietet einen offenen Diskussionsraum, in dem Forschende gemeinsam methodische Entscheidungen reflektieren, Analyseverfahren diskutieren und neue Ansätze diskutieren können. Im Mittelpunkt stehen dabei die methodischen und methodologischen Fragen, die sich im Forschungsprozess stellen.
Eingebracht werden können Projekte in unterschiedlichen Phasen: von ersten Ideen und Forschungsdesigns über laufende Analysen bis zu weitgehend abgeschlossenen Studien. Ebenso willkommen sind methodische Experimente, Analyseworkflows sowie konzeptionelle Überlegungen und grundsätzliche Thesen.
Mögliche Themen sind beispielsweise:
die Entwicklung, Anwendung und Prüfung von Kategoriensystemen,
LLM-basierte Kodierungen,
Fragen der Interkoder-Übereinstimmung,
die Skalierung qualitativer Analysen und deren methodische Grenzen,
die Quantifizierung qualitativer Kodierungen und deren statistische Auswertung,
Conversion-Mixed-Methods-Designs und die Integration qualitativer und quantitativer Analyseergebnisse,
Fragen der Transparenz, Reproduzierbarkeit und Nachvollziehbarkeit,
die Rolle von Forschenden in LLM-gestützten Analyseprozessen sowie
epistemologische und methodologische Konsequenzen des Einsatzes von LLMs.
Die Forschungswerkstatt findet als digitales Austauschformat statt. Ausgangspunkt jeder Sitzung bildet eine konkrete methodische oder methodologische Fragestellung. Die Gestaltung bleibt den präsentierenden Personen überlassen. Als Orientierung bietet sich ein etwa 20- bis 30-minütiger Input mit anschliessender gemeinsamer Diskussion (ca. 30 bis 60 Min.).
Galle, M., & Iten, G. (in press). Kodierungen analysieren und visualisieren. Mixed-Methods-Datenanalyse mit MAXQDA und R. Springer.
Kuckartz, U., & Rädiker, S. (2024). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Umsetzung mit Software und künstlicher Intelligenz (6., überarbeitete und erweiterte Auflage). Beltz.
Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (13., überarbeitete Auflage). Beltz.
Schreier, M. (2012). Qualitative Content Analysis in Practice. Sage Publications Ltd.
Tashakkori, A., Johnson, R. B., & Teddlie, C. (2021). Foundations of mixed methods research: Integrating quantitative and qualitative approaches in the social and behavioral sciences (2nd ed.). SAGE.